Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2017 NGG-Region Aachen

Länge: 6'36"Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

Der 1. September ist nicht nur in Aachen ein wichtiges Datum: Antikriegstag. Am Elisenbrunnen: Friedensaktivisten und Friedensgruppen versammeln sich um ein Rednerpult. Danach: Eine Friedensdemonstration zur Aula Carolina. Denn dort wird der Aachener Friedenspreis verliehen.

Der ist ein so genannter Bürgerpreis. Und davon gibt es nicht viele. Das heißt er wird von Bürger an Bürger verliehen. Und in diesem Jahr ist der Preis besonders wichtig. Kriege im Nahen Osten, der Ukraine und in Teilen von Afrika zum Beispiel, internationaler Waffenhandel, militärische Aufrüstungen insgesamt begleiten durch den Alltag.

v.l.n.r.:Movimento 'No Muos', Italien; JunepA, Deutschland. Preisträger Aachener Friedenspreis 2017
v.l.n.r.:Movimento 'No Muos', Italien; JunepA, Deutschland. Preisträger Aachener Friedenspreis 2017

Die Gewerkschaften haben sich immer für den Frieden eingesetzt und haben unter Krieg und Verfolgung gelitten. Es ist also kein Wunder, dass sie zu der Gründergruppe des Aachener Friedenspreises gehören. Und der DGB organisiert an diesem 1. September 2017 eine Veranstaltung am Aachener Elisenbrunnen mit Gesprächen, Informationen, Musik und politischen Kabarett mit der Kabarettgruppe ‚Unbelehrbare für Frieden und Völkerverständigung‘. Auf provokante und klare Weise stellt sie Politik und Wirtschaft bloß, in dem sie in ihre Rollen schlüpft und so auf Missstände aufmerksam macht. Es geht um Rüstungsgeschäfte, Flüchtlinge, Überwachung, Minirenten zum Beispiel.

Der Preis geht in diesem Jahr unter anderem an die Gruppe JunepA aus Deutschland. Das ist das Jugendnetzwerk für politische Aktionen.

Die Gruppe hat sich 2013 gegründet. Sie besteht aus zirka 35 jungen Leuten, die ihren GewissenSeit dieser Zeit macht sie friedenspolitische Aktionen, Blockaden vor Militäreinrichtungen in Deutschland und so genannte go-in Aktionen. ‚Aufrüstung für den Frieden ist wie Schnapspralinen gegen Alkoholismus‘ sagen sie.

 

 

Demonstrationszug Aachener Friedenspreis 2017
Demonstrationszug Aachener Friedenspreis 2017

Nun gibt es heute auch noch Friedensdemonstrationen, wenn auch nicht mehr in der Größe wie in den 1980er Jahren. Und die heutigen Demonstrationen sind sehr still. "Ich finde es aber wichtig – zu stören und einzugreifen"; sagt Clara Tempel von der JunepA.

Vor allem für junge Leute sind friedenspolitische Aktionen eine Herausforderung. "Wir kümmern uns um sie, weil Aktionen des zivilen Ungehorsams macht man nicht so nebenbei", sagt sie. Und sie sind natürlich mit Konsequenzen verbunden.

Die Gruppe macht aber auch kurzfristige, spontane Aktionen. So haben sie zum Weltklimagipfel 2015 in Berlin eine so genannte Banneraktion durchgeführt. "Da haben wir ein Banner an der Siegelsäule ausgerollt", sagt sie.

Eine zweite Gruppe wird mit dem Aachener Friedenspreis 2017 geehrt. Movimento ‚No Muos‘ heißt sie. Sie kommt aus Italien. Genauer aus Sizilien.Sie wurde 2009 gegründet und ist eine sizilianische Bewegung gegen Militarismus und für die Entmilitarisierung Siziliens. Sie ist eine basisorganisierte Bewegung, die keine Hierarchien hat und mit Konsens funktioniert. Als eine antifaschistische und antirassistische Bewegung hat sie auch mit der Mafia zu kämpfen hat. Weil die Mafia auf Sizilien sehr tief in die sozialen Gefüge verankert ist. "Wir stehen uns als eine unparteiische Bewegung. Politische Parteien haben bei uns keinen Platz. Sondern nur Einzelpersonen", sagt Guiseppe

Firrinceli von No Muos.

Zirka 150 Menschen sind bei No MUOS aktiv. Sie setzt sich für den Weltfrieden, für die Umwelt und für die Gesundheit der einheimischen Bevölkerung ein, die sich durch diesen Militarismus bedroht fühlt.

Das macht sie mit Demonstrationen, Kundgebungen, Straßenblockaden, Streiks, Informationskampagnen und Aktionen des zivilen Ungehorsams.

 

"Eine unserer wichtigsten Aktionen war die vom 9. August 2013. An diesem Tag ist es uns gelungen, mit 1500 Menschen eine Militärbasis der USA auf Sizilien zu betreten",

sagt Guiseppe Firrinceli.Und sie kämpft gegen das Satellitenkommunikations-System MUOS mit seinen Überwachungs- und Aufklärungstechnologien. Es ist ein zentraler Eckpfeiler der weltweiten Kriegführung und für die weltweiten Einsätze der USA und ihrer NATO-Verbündeten von Bedeutung."Wir erfahren auch in Italien, was es heißt, wenn man politisch aktiv wird und versucht zu stören. Wir haben sehr viel Erfahrung mit Repressionen gemacht", sagt er. Mit Gerichtsprozessen. Es ist immer eine persönliche Wahl aktiv zu werden oder nicht. Und diese Wahl beinhaltet auch die Bereitschaft, dass eigene Leben so wie es läuft, in Gefahr zu bringen. Weil man mit Konsequenzen zu rechnen hat, die dieses Leben ändern können."

Bevor sich der Demonstrationszug in Bewegung setzt, gibt es eine kleine Musikeinlage von Hessam Rassouli. Ein Liedermacher aus der Städteregion Aachen. Kurz rein gehört.

Dann ist es soweit. Der lautstarke Demonstrationszug geht los. Vom Elisenbrunnen über den Münsterplatz und den Aachener Markt bis zur Aura Carolina, dem Ort der Preisverleihung. Der Saal ist bis auf den letzten Platz besetzt, die Bühne ist bereitet. Der Kabarettist Urban Priol hält die Gastrede. Musik gibt es von Hessam Rassouli. Eine gemeinsame Freier mit Speis und Trank schließt den festlichen Abend ab.

 

Die Idee für den Antikriegstag hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ rief er am 1. September 1957 zu Aktionen auf. Im Jahre 1966 nahm der DGB auf einem Bundeskongress einen Antrag an, der inhaltlich dazu aufforderte  „... alles Erdenkliche zu unternehmen, damit des 1. September in würdiger Form als eines Tages des Bekenntnisses für den Frieden und gegen den Krieg gedacht wird." Da ist noch viel zu tun.

Der Aachener Friedenspreis e.V. wurde 1988 von sechsundvierzig Einzelpersonen gegründet. Auch Gewerkschafter gehören zu den Gründungsmitgliedern. Der Preis soll Frauen, Männer oder Gruppen würdigen und vorstellen, die „von unten her“ dazu beitragen, der Verständigung der Völker und der Menschen untereinander zu dienen sowie Feindbilder ab- und Vertrauen aufzubauen. Der Preis wird unabhängig von ideologischen, religiösen oder parteipolitischen Kriterien und unabhängig von sozialer oder nationa­ler Zugehörigkeit der Preisträgerinnen und Preisträger verliehen. Heute hat dieser Verein mehr als 400 Mitglieder.

Der Aachener Friedenspreis ist mit je 1000 Euro dotiert und wird zum Antikriegstag am 1. September verliehen.

Der Antikriegstag oder Friedenstag wurde bereits 1845 in England gefeiert. In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts konnten dann pazifistische kirchliche Kreise in Großbritannien den letzten Sonntag vor Weihnachten zu einem Friedenssonntag erklären. In Deutschland hatten freie evangelische Gemeinden hatten um 1900 vergleichbare Ideen. Der 1. August galt den Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Friedensgruppen als Friedenstag – in Erinnerung an den Kriegsbeginn des 1. Weltkrieges im Jahre 1914.

 

Der Antikriegstag erinnert an den Beginn des Zweiten Weltkrieges mit dem Angriff der Wehrmacht auf Polen am 1. September 1939.

Der Nationalsozialismus verfolgte und verbot auch die Vorläuferorganisationen der NGG. Gewerkschaftsmitglieder wurden eingesperrt und ermordert. Oder sie flohen ins Ausland und führten von dort aus ihre Gewerkschaftsarbeit weiter. Betriebsräte wurden ausgetauscht und gleichgeschaltet. Allen Gewerkschaften erging es so. Freie Gewerkschaften gab es nicht mehr.

 

Nach dem 2. Weltkrieg hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund die Idee für einen Antikriegstag. Unter dem Motto „Nie wieder Krieg“ rief er am 1. September 1957 zu Aktionen auf. Es gab Friedensdemontrationen, Reden und Mahnwachen in der ganzen BRD. 1966 nahm der DGB auf einem Bundeskongress einen Antrag an, der inhaltlich dazu aufforderte  „... alles Erdenkliche zu unternehmen, damit des 1. September in würdiger Form als eines Tages des Bekenntnisses für den Frieden und gegen den Krieg gedacht wird."

 

Die katholische Kirche erklärte dem 1. Januar  zum Weltfriedenstag. Sie feiert ihn seit 1968. In einer jeweils vorab veröffentlichte Weltfriedensbotschaft verbindet der Papst die Botschaft mit einem konkreten Thema.

 

Die UN-Generalversammlung erklärte 1981 in der UN-Resolution 36/67 den 21. September zum Weltfriedenstag "International Day of Peace". An diesem Tag soll Waffenstillstand und Gewaltlosigkeit herrschen.

Am 7. September 2001 verabschiedete sie die Resolution 55/282. Danach soll der Weltfriedenstag ab 2002 jedes Jahr auf der ganzen Welt immer am 21. September gefeiert werden. Diese Initiative ging auf Jeremy Gilley und der "Peace One Day" - Organisation zurück.

 

Der Ökumenische Rat der Kirchen ruft seit 2004 alle Kirchen dazu auf, jedes Jahr am 21. September einen internationel Tag des Gebets für den Frieden abzuhalten. Er soll die Möglichkeit bieten, „die Zeugniskraft der Kirchen und Glaubensgemeinschaften den vielen Kräften der weltweiten Bewegung für Frieden und Gerechtigkeit hinzu zu fügen“.

 

Ausgewählte Informationen und Literatur

 

JunepA – Jugendnetzwerk für politische Aktionen, Deutschland.

Movimento No Muos – Italien

Unbelehrbare – Kabarettgruppe "Unbelehrbare für Frieden und Volkerverständigung, Städteregion Aachen, Deutschland.

Resolution 36/67 - UN-Resolution 36/67 Weltfriedenstag 21. September. New York, USA. Internetportal

International Day of Peace - UN - Webseite des Weltfriedenstages. New York, USA. Internetportal

Aachener Friedenspreis e.V. - Aachen 2017. Internetportal

Geschichte des Antikriegstages - Netzwerk Friedenskooperative, Bonn 2017. Internetportal

 

Links abgerufen 6.09.2017

 

Gewerkschaft NGG in Videos - Vimeo-Videokanal der Gewerkschaft NGG

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG - Hamburg

Deutscher Gewerkschaftsbund DGB – Berlin