Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2017 NGG-Region Aachen

Länge: 6'28" Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

Beruf: Gewerkschaftssekretär.

In diesem Beruf geht es um Tarifpolitik, Arbeitsrecht, Politik, Arbeitskampf, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftstheorie, Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Solidarität, Mitbestimmung, Kommunikation, Beratung, Streik, Integration, Antidiskriminierung, Ehrenamt … Da ist viel zu lernen.

Meine Großeltern sind zirka 1970 als Gastarbeiter nach Deutschland gekommen. Mein Vater ist hier aufgewachsen und war von Anfang an in der Gewerkschaft IG Metall. Gewerkschaft war mir immer schon sehr nah“, sagt Bulut Surat.

Bulut Surat ist in Hamburg geboren und hat bei einem großen Unternehmen seine Ausbildung gemacht. „Dort wurde Gewerkschaft gelegt“, sagt er. Er wurde zum Jugendauszubildendenvertreter gewählt.

Seit Oktober 2017 ist er bei der NGG-Region Aachen. „Gewerkschaften sind für mich bisher der einzige Ort, wo ohne Vorurteile Unterstützung, Bildung, Weiterbildung fördern. Das war für mich ein Aha-Erlebnis“, sagt er.

Viele Teile machen also die Summe. Das Traineeship der Gewerkschaft NGG ist genauso aufgebaut. Die Theorie gibt es in verschiedenen Seminarblöcken. Die Praxis vor Ort in den Geschäftsstellen der Gewerkschaft NGG irgendwo in Deutschland. Quasi eine Wanderung durch verschiedene Bundesländer und Mentalitäten der Menschen. „Das empfinde ich als sehr intensiv und lehrreich“, sagt Bulut Surat.

Bulut Surat. Gewerkschaftssekretär zur Ausbildung. NGG-Region Aachen November 2017
Bulut Surat. Gewerkschaftssekretär zur Ausbildung. NGG-Region Aachen November 2017

In den Gewerkschaften gibt es ja auch viele Schwerpunkte. Und die beziehen sich immer auf den Status Quo in einer Gesellschaft mit ihrem Wirtschaftsleben. Für Bulut Surat ist Jugend und Ausbildung ein großes Thema. Vor allem die Prekäre Beschäftigung nach der Ausbildung, die jegliche Lebensplanung unmöglich macht. „Das muss aufhören. Die Menschen müssen endlich in unbefristeten Vollzeitjobs arbeiten können“, sagt er.

Gewerkschaft und Politik sind eng miteinander verbunden. Das war immer schon so. Seit es die NGG gibt. Seit über 150 Jahren. „Gewerkschaftsarbeit ist für mich auch Arbeit an der Gesellschaft“, sagt er. „Es muss einen aktiven Kampf gegen Rechtsradikalismus geben.“ In den Betrieben muss aufgeklärt werden, „wie wichtig es ist, demokratische Strukturen zu haben.“

Und das Bild – die so genannte Außenwirkung der Gewerkschaft? Ist die auf der Höhe der Zeit? „Das ist schon ganz gut. Aber wir müssen die digitalen Medien stärker nutzen und öfter in der Öffentlichkeit präsent sein. Draußen – auf der Straße mit vielen Informationen über die Gewerkschaft“, sagt er. Es müsse eine Art Marke DGB und NGG entstehen, eine Cooperate Identity.

Viele Teile machen also die Summe. Das Traineeship der Gewerkschaft NGG ist genauso aufgebaut. Und schon jetzt ist klar: Das Motto: „8 Stunden-Tag, um 17 Uhr fällt der Stift auf's Pult und Feierabend ist“ – geht nicht. Es gibt eine geregelte Arbeitszeit – die steht im Arbeitsvertrag, aber Gewerkschafter sein – ist oftmals mehr. Dennoch: wichtig ist die so genannte work-life-balance.

Wenngleich der Beruf des Gewerkschaftssekretärs eine „Berufung“ ist. Sagen die in diesen Organisationen arbeitenden Menschen. „Dennoch muss man immer darauf schauen, das Berufsalltag und Privatleben in einem gesunden Gleichgewicht sind“, sagt Bulut Surat.

In diesem Sinne. In gut 2 Jahren ist es soweit. Bulat Surat ist Gewerkschaftssekretär bei der Gewerkschaft NGG. Irgendwie in Deutschland. ‚Denn man tau‘ sagt man in Hamburg. ‚Lass Koed af‘ heißt es in Aachen.

 

Gewerkschaftssekretär zur Ausbildung bedeutet bei der NGG: Ein dreistufiges System mit unterschiedlichen Inhalten.

Stufe 1: Gewerkschaftliche Büro- und Verwaltungsabläufe, wie sieht eine Rechtsberatung für Mitglieder aus, welche Software gibt es und wie wird der Arbeitsalltag organisiert. Das dauert sechs Monate.

Stufe 2: Zwölf Monate Arbeit in einer weiteren Geschäftsstelle der NGG. Inhalte sind zum Beispiel Kontakte mit Betriebsräten, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung, Hilfe zur Gründung von Betriebsräten, Projektarbeit, Beratungsarbeit für die Mitglieder, Mitarbeit an der Organisation von Arbeitskämpfen.

Stufe 3. In einer weiteren Geschäftsstelle werden diese Kenntnisse vertieft. Oft ist diese Region das zukünftige Arbeitsgebiet eines Gewerkschaftssekretärs. Dauer: Sechs Monate.

Die zweijährige Ausbildung ist mit zahlreichen Seminaren angereichert. Zum Beispiel Arbeitsrecht, Mitgliederwerbung, Notfallgespräche. Zum Abschluss erfolgt ein vierwöchiger Kurs im NGG-eigenen Bildungszentrum BZO1) in Overjosbach.

Die Voraussetzungen für den Berufswunsch Gewerkschaftssekretär können vielfältig sein. Sie können über ein Studium mit anschließender zweijährigen Ausbildung erfüllt sein. Aber auch ArbeitnehmerInnen mit Berufserfahrung, vielleicht sogar Erfahrung in einem Betriebsrat, erfüllen die Voraussetzungen. In der Regel besuchen diese Menschen die „Europäische Akademie der Arbeit“2), die der Universität in Frankfurt am Main3) angegliedert ist. Stipendien und Förderungsprogramme bietet auch die Hans Böckler Stifung4) an.

 

Sekretär; lateinisch „secretus“, „geheim“, später französisch „secrétaire“. Diese Berufsbezeichnung galt in ihrer Entstehung einem  „Geheimschreiber“. Später wurde aus ihm ein Schreiber, ein Schriftführer oder auch Schriftwart und Schriftführer. Das dazugehörige Sekretariat war logischerweise das Amt das Sekretärs, aber auch einer Schreibstube, der Schreiberei, der Kanzlei. Zum Beispiel: Gerichtsschreiber oder Stadtschreiber.5)6)

Heute übt der Sekretär vielfältige Aufgaben in der Verwaltung aus. Er hat aber immer den Schwerpunkt Kommunikation. Sie erledigen Assistenzaufgaben, Korrespondenzen und kaufmännische Arbeiten.

Der Sekretär oder die Sekretärin  ist auch eine Funktionsträger/in. Zum Beispiel eine Person, die in einer Behörde weisungsberechtigte Kompetenzen hat. Dies aber nur, wenn er den Status als „erster“ Sekretär/in hat. Als beamtete oder angestellte Personen gibt es auch die Direktionssekretäre. Sie sind einer Direktion unterstellt, haben aber in der Regel Weisungsberechtigung.

Parteisekretäre oder Generalsekretäre führen Führungsfunktionen in ihrer Organisation aus. Dazu gehören auch die Gewerkschaftssekretäre.

Die Abgrenzung zur Bezeichnung „Funktionär“ ist schwierig. Es gibt durchaus sich überschneidende Aufgaben und Verantwortungen. Wobei die Funktion Sekretär eher im hauptberuflichen Umfeld angesiedelt ist.

Funktionär; lateinisch fungi, „verrichten“, „besorgen“ oder ein Amt „verwalten“. Es  ist  meistens ein Mensch, der innerhalb einer Organisation eine Führungsposition besetzt.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Europa dieses Funktionärswesen. Und zwar deshalb, weil sich die arbeitenden Menschen in Gewerkschaften und Arbeiterparteien organisierten.

Diese Tätigkeit kann hauptberuflich oder ehrenamtlich sein. Es kann daher auch gewählt oder bestellt werden wie zum Beispiel in den politischen Parteien. Aber auch andere Verbände aus Sport und Gewerkschaft wählen aus ihrer Mitte heraus Menschen in diese Aufgabe.

Die Aufgaben sind wiederum schnell aufgezählt: Repräsentation, Versammlungsleitung, Leitung von Arbeitsgruppen und Gremien, Organisation, Ausführung von Verbands- und Institutsbeschlüssen aber auch Mediation und Vermittlung zwischen Leitung und Mitglied.

Spitzenfunktionäre/innen sind meistens hauptberuflich unterwegs. Sie sind auch Entscheidungsträger. Hinsichtlich der Legitimation wird unterschieden zwischen bestellten und gewählten Funktionären.  In einer hauptberuflichen Funktion (Beauftragter), der im öffentlichen Leben, in Organisationen und Institutionen Führungsaufgaben wahrnimmt;

 

Weitere ausgewählte Informationen und Literatur

1)Bildungszentrum Oberjosbach - BZO der NGG, Niedernhausen

und

BZO – Wissen - Wissensportal, BZO der NGG, Niedernhausen

2)Europäische Akademie der Arbeit - angesiedelt bei der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt/Main, Frankfurt

3)Universität Frankfurt am Main

4)Hans Böckler Stiftung - Düsseldorf Frankfurt/Main, Frankfurt

5)Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 310. hier online auf zeno.org, Digitale Bibliothek, Berlin

Link zum Text: Sekretär

Link zum Faksimile - entsprechende Seite als digitales Faksimile (Retrodigitalisierung)

6)Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 685. hier online auf zeno.org, Digitale Bibliothek, Berlin

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Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

Links abgerufen 2.12.2017

Deutscher Gewerkschaftsbund – Berlin

Gewerkschaft NGG in Videos - Vimeo-Videokanal der Gewerkschaft NGG

Gewerkschaft Nahung-Genuss-Gaststätten - Hamburg