Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2017 NGG-Region Aachen

Länge: 8'18"Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

Informationsaktion NGG-Region Aachen. Dezember 2016 Aachen
Informationsaktion NGG-Region Aachen. Dezember 2016 Aachen

"Ein Mac Donald's Beschäftiger, der selbst die Burger brät, muss 58 Minuten arbeiten, um sich dieses Bic Mac Menü leisten zu können", sagt Lisa Baumeister, Gewerkschaftssekretärin bei der NGG-Region Aachen. Eine Info-Aktion der NGG-Region Aachen an diesem 20.12.2016 auf dem Willy-Brandt-Platz. Berufe, Stundenlöhne, Arbeitszeiten und die Preise für einen Kaffee Latte oder für ein Big Mac Menü im Vergleich. Immer bezogen auf die entsprechenden Tariflöhne in den verschiedenen Berufe.

Zwei Tarifrunden in der Systemgastronomie hat es bisher gegeben. Aber ohne Ergebnisse und auch ohne neue Verhandlungstermine. In der Systemgastronomie sind rund 100.000 Menschen beschäftigt. Zu ihr gehören zum Beispiel Burger King, Autogrill, Tank & Rast, Kentucky Fried Chicken, McDonald‘s, Nordsee, Vapiano, Starbucks.

Auch für die Auszubildenden wird um bessere Bezahlung verhandelt. „Die werden nach einer kurzen Einarbeitungsphase nicht mehr als Auszubildende beschäftigt“, sagt Lisa Baumeister. Sie würden als vollwertige Arbeitskraft eingesetzt. Als seien sie schon ausgelernt.

Die Arbeitsabläufe in der Systemgastronomie sind laut und hektisch. Der Kaffee oder der Burger soll ganz schnell an den Kunden. Tag und Nacht. Jetzt könnten ja die Arbeitgeber sagen: Machen sie den Burger schneller fertig bei gleichem Lohn, dann können sie sich selbst vielleicht zwei Burger nach 58 Minuten Arbeitszeit leisten. „Immer mehr zu verlangen, macht die Menschen krank“, sagt Lisa Baumeister. „Wir müssen daher auf eine gerechte Entlohnung und auf faire Arbeitsbedingungen aufpassen.“

v.l.n.r.: Lisa Baumeister; Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen; Ann-Katrin Steibert, Gewerkschaftssekretärin DGB Region NRW Süd-West Aachen; Diana Hafke, Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen. Informationsaktion Dezember 2016 in Aachen
v.l.n.r.: Lisa Baumeister; Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen; Ann-Katrin Steibert, Gewerkschaftssekretärin DGB Region NRW Süd-West Aachen; Diana Hafke, Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen. Informationsaktion Dezember 2016 in Aachen

Der gesetzliche Mindestlohn steht jetzt bei 8 Euro 84. Und alle zwei Jahre wird geprüft, ob er erhöht werden muss. Ist doch gut. Läuft doch alles rund? „Bleibt der Mindestlohn auf diesem Niveau, dann wird die Rente klein sein. Altersarmut droht“, sagt Ann-Katrin Steibert, Gewerkschaftssekretärin des DGB Region NRW Süd-West Aachen. Es sei dringend zu stabilisieren.

Industriekaufleute arbeiten maximal 35 Minuten für ein Big Mac Menü. RichterInnen haben nach 15 Minuten Arbeitszeit ihr Big Mac Menü. Eine Konditoreifachverkäuferin oder -verkäufer arbeitet maximal 48 Minuten. Dann gibt es das Big Mac Menü. Immer bezogen auf die jeweiligen Stundenlöhne in diesen Berufen. Das Bodenplakat hat es in sich. Es geht nicht nur um den Mindestlohn und die Arbeitszeiten, sondern auch um die Vergleichbarkeit von Berufen. Viele Passanten und Passantinnen interessiert das. Sie diskutieren lebhaft mit den Gewerkschaftssekretärinnen. Vor dem Bodenplakat. Ein Passant sind das kritisch. Ein junger Architekt. Er verdient natürlich mehr als ein beschäftigter Mensch in der Systemgastronomie.

Acht Jahre Studium hat er hinter sich und keinerlei Geld verdient. „Wenn ich jetzt in den Stundenlohn als Architekt die acht Jahre einrechne, dann verdiene ich, bis ich 40 Jahre alt bin, leider auch nicht mehr als der Big Mac Verkäufer“, sagt er.

‚Eine Stunde meiner Lebenszeit ist eine Stunde deiner Lebenszeit‘ heißt es in einer der vielen Modelle zur gerechten Bezahlung. Berufe und Löhne vergleichbar machen – ja. Sagt der Passant. „Aber gleich kann nicht funktionieren“, fügt er abschließend hinzu.

Andere Modelle ermitteln die einzelnen Arbeitsschritte, Anforderungen und Belastungen in den Berufen. Ziel ist eine gleichwertige Bezahlung für gleichwertige Arbeit von Frau und Mann. Die Sache ist also kompliziert.

Arbeitszeitmodelle, Belastungen, work-life-balance, Lohnhöhe, Rentenhöhe, Lebensarbeitszeit, Ausbildung, Wertschätzung, gesellschaftliche und kulturelle Normen. Viele Faktoren spielen bei der Bewertung von Berufen eine Rolle. „Die Frage ist: Wie bewerten wir in Deutschland Berufe“, sagt Ann-Katrin Steibert. „Was hat für uns Qualität? Warum ist welcher Beruf wichtig?“ Das beträfe auch die typischen Frauenberufe. Eine Altenpflegerin verdiene weniger als ein Bauarbeiter? „Beide müssen teilweise schwer heben zum Beispiel und die Altenpflegerin braucht im Umgang mit den zu pflegenden Menschen zusätzlich große soziale Kompetenz.“

Gerade zur Weihnachtszeit, in der gerade die Systemgastronomie Hochbetrieb habe, „muss man sich die Frage stellen: Was ist eine gerechte Entlohnung? Was ist eine gute Arbeitsbedingung“, sagt Lisa Baumeister.

Da ist also noch viel zu fragen, viel zu erforschen und viel zu informieren.

 

Links abgerufen am 11.01.2017

 

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