Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2017 NGG-Region Aachen

Länge: 6'36"Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

Ihr Beruf: Gewerkschaftssekretärin.

In diesem Beruf geht es um Tarifpolitik, Arbeitsrecht, Politik, Arbeitskampf, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftstheorie, Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Solidarität, Mitbestimmung, Kommunikation, Beratung, Streik, Integration, Antidiskriminierung, Ehrenamt … Da ist viel zu lernen.

Lisa Baumeister. Gewerkschaftssekretärin zur Ausbildung bei der NGG-Region Aachen. März 2017
Lisa Baumeister. Gewerkschaftssekretärin zur Ausbildung bei der NGG-Region Aachen. März 2017

Lisa Baumeister ist in Bayern geboren, hat bei H&M gearbeitet und gleichzeitig in Stuttgart Politik und Soziologie studiert. „Ich habe dann bei H&M auch Betriebsratsarbeit kennengelernt. Das hat mir gut gefallen“, sagt sie. Arbeitsmarktpolitik, Gleichstellungspolitik waren und sind auf ihrer Agenda. „Ich war bei Tarifrunden dabei und habe an Streiks teilgenommen“, sagt sie. So ließ sie sich in den Betriebsrat wählen.

Seit Oktober 2016 ist sie bei der NGG-Region Aachen.

Zwei Jahre dauert die Ausbildung zur Gewerkschaftssekretärin. Ein so genanntes Traineeship der Gewerkschaft NGG.

Der Weg ist das Ziel. Für den Job Gewerkschaftssekretärin braucht es viel  Wissen, Offenheit, Herzblut und natürlich Ausbildung.

Gewerkschaftsarbeit erfasst viele Bereiche des gesellschaftlichen und privaten Lebens der Menschen. Zum Beispiel die Vorbereitung von Streiks, Mitgliederbetreuung, Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick, Gesprächsstrategien, Betriebsräteberatung oder Tarifverhandlungen. Und vor allem: Gesetze, Gesetze, Gesetze.

Lisa Baumeister. Gewerkschaftssekretärin zur Ausbildung bei der NGG-Region Aachen. Dortmund 22.3.2017
Lisa Baumeister. Gewerkschaftssekretärin zur Ausbildung bei der NGG-Region Aachen. Dortmund 22.3.2017

Viele Teile machen also die Summe. Das Traineeship der Gewerkschaft NGG ist genauso aufgebaut. Die Theorie gibt es in verschiedenen Seminarblöcken. Die Praxis vor Ort in den Geschäftsstellen der Gewerkschaft NGG irgendwo in Deutschland. Quasi eine Wanderung durch verschiedene Bundesländer und Mentalitäten der Menschen.

Gleiche Chancen und Bezahlung für Frauen und Männer in der Arbeitswelt ist ein großes Thema. Das gilt ja nicht nur in der freien Wirtschaft – sondern auch für eine Gewerkschaft.

Da sind wir aber auf einem guten Weg. In meinem Ausbildungsjahr gibt es mehr Frauen als Männer, die bei der NGG eingestellt wurden“, sagt sie.

In zirka fünfzehn Monaten ist es soweit. Lisa Baumeister ist Gewerkschaftssekretärin bei der Gewerkschaft NGG. Irgendwie in Deutschland.

 

Gewerkschaftssekretär zur Ausbildung bedeutet bei der NGG:

Ein dreistufiges System mit unterschiedlichen Inhalten.

Stufe 1: Gewerkschaftliche Büro- und Verwaltungsabläufe, wie sieht eine Rechtsberatung für Mitglieder aus, welche Software gibt es und wie wird der Arbeitsalltag organisiert. Das dauert sechs Monate.

Stufe 2: Zwölf Monate Arbeit in einer weiteren Geschäftsstelle der NGG. Inhalte sind zum Beispiel Kontakte mit Betriebsräten, Öffentlichkeitsarbeit, Mitgliederwerbung, Hilfe zur Gründung von Betriebsräten, Projektarbeit, Beratungsarbeit für die Mitglieder, Mitarbeit an der Organisation von Arbeitskämpfen.

Stufe 3. In einer weiteren Geschäftsstelle werden diese Kenntnisse vertieft. Oft ist diese Region das zukünftige Arbeitsgebiet eines Gewerkschaftssekretärs. Dauer: Sechs Monate.

Die zweijährige Ausbildung ist mit zahlreichen Seminaren angereichert. Zum Beispiel Arbeitsrecht, Mitgliederwerbung, Notfallgespräche. Zum Abschluss erfolgt ein vierwöchiger Kurs im NGG-eigenen Bildungszentrum BZO1) in Overjosbach.

Die Voraussetzungen für den Berufswunsch Gewerkschaftssekretär können vielfältig sein. Sie können über ein Studium mit anschließender zweijährigen Ausbildung erfüllt sein. Aber auch ArbeitnehmerInnen mit Berufserfahrung, vielleicht sogar Erfahrung in einem Betriebsrat, erfüllen die Voraussetzungen. In der Regel besuchen diese Menschen die „Europäische Akademie der Arbeit“2), die der Universität in Frankfurt am Main3) angegliedert ist. Stipendien und Förderungsprogramme bietet auch die Hans Böckler Stifung4) an.

 

Sekretär; lateinisch „secretus“, „geheim“, später französisch „secrétaire“.

Diese Berufsbezeichnung galt in ihrer Entstehung einem  „Geheimschreiber“.

Später wurde aus ihm ein Schreiber, ein Schriftführer oder auch Schriftwart und Schriftführer.

Das dazugehörige Sekretariat war logischerweise das Amt das Sekretärs, aber auch einer Schreibstube, der Schreiberei, der Kanzlei. Zum Beispiel: Gerichtsschreiber oder Stadtschreiber.5)6)

Heute übt der Sekretär vielfältige Aufgaben in der Verwaltung aus. Er hat aber immer den Schwerpunkt Kommunikation. Sie erledigen Assistenzaufgaben, Korrespondenzen und kaufmännische Arbeiten.

Der Sekretär oder die Sekretärin  ist auch eine Funktionsträger/in. Zum Beispiel eine Person, die in einer Behörde weisungsberechtigte Kompetenzen hat. Dies aber nur, wenn er den Status als „erster“ Sekretär/in hat. Als beamtete oder angestellte Personen gibt es auch die Direktionssekretäre. Sie sind einer Direktion unterstellt, haben aber in der Regel Weisungsberechtigung.

Parteisekretäre oder Generalsekretäre führen Führungsfunktionen in ihrer Organisation aus. Dazu gehören auch die Gewerkschaftssekretäre.

Die Abgrenzung zur Bezeichnung „Funktionär“ ist schwierig. Es gibt durchaus sich überschneidende Aufgaben und Verantwortungen. Wobei die Funktion Sekretär eher im hauptberuflichen Umfeld angesiedelt ist.

Funktionär; lateinisch fungi, „verrichten“, „besorgen“ oder ein Amt „verwalten“. Es  ist  meistens ein Mensch, der innerhalb einer Organisation eine Führungsposition besetzt.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Europa dieses Funktionärswesen. Und zwar deshalb, weil sich die arbeitenden Menschen in Gewerkschaften und Arbeiterparteien organisierten.

Diese Tätigkeit kann hauptberuflich oder ehrenamtlich sein. Es kann daher auch gewählt oder bestellt werden wie zum Beispiel in den politischen Parteien. Aber auch andere Verbände aus Sport und Gewerkschaft wählen aus ihrer Mitte heraus Menschen in diese Aufgabe.

Die Aufgaben sind wiederum schnell aufgezählt: Repräsentation, Versammlungsleitung, Leitung von Arbeitsgruppen und Gremien, Organisation, Ausführung von Verbands- und Institutsbeschlüssen aber auch Mediation und Vermittlung zwischen Leitung und Mitglied.

Spitzenfunktionäre/innen sind meistens hauptberuflich unterwegs. Sie sind auch Entscheidungsträger. Hinsichtlich der Legitimation wird unterschieden zwischen bestellten und gewählten Funktionären.  In einer hauptberuflichen Funktion (Beauftragter), der im öffentlichen Leben, in Organisationen und Institutionen Führungsaufgaben wahrnimmt;

 

Weitere ausgewählte Informationen und Literatur

 

1)Bildungszentrum Oberjosbach - BZO der NGG, Niedernhausen

und

BZO – Wissen - Wissensportal, BZO der NGG, Niedernhausen

2)Europäische Akademie der Arbeit - angesiedelt bei der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt/Main, Frankfurt

3)Universität Frankfurt am Main

4)Hans Böckler Stiftung - Düsseldorf Frankfurt/Main, Frankfurt

5)Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 310. hier online auf zeno.org, Digitale Bibliothek, Berlin

Link zum Text: Sekretär

Link zum Faksimile - entsprechende Seite als digitales Faksimile (Retrodigitalisierung)

6)Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 685. hier online auf zeno.org, Digitale Bibliothek, Berlin

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Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

 

 

Links abgerufen 8.05.2017

 

Gewerkschaft NGG in Videos - Vimeo-Videokanal der Gewerkschaft NGG

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG - Hamburg

Deutscher Gewerkschaftsbund DGB – Berlin