Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2017 NGG-Region Aachen

Länge: 16'20"Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

„Die Beschäftigten in den Aachener Nahrungs- und Genussmittelunternehmen sind traurig darüber, wenn die von ihnen mit Qualität hergestellten Nahrungsmittel in den Müll geworfen werden“, Diana Hafte, Gewerkschaftssekretärin der NGG-Region Aachen und leitet damit den Themenabend am 12. Oktober 2017 ein. Gemeinsam mit der NGG-Region Aachen geht es unter der Überschrift „Vom Feld in die Tonne“ um die Vernichtung von Lebensmittel und um Wege, das zu verhindern.

Zirka 11 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland vernichtet. Jährlich. Das sind ungefähr 25 Mrd. Euro. Sagen verschiedene Studien. Kann aber auch mehr sein. Weltweit gehen zirka 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel in den Müll. Entsorgt werden sie von Bauern, Lieferanten und Supermärkten. Sagt die Welthungerhilfe. Und auch der Verbraucher wirft weg. In Deutschland zirka 82 Kilogramm pro Person jedes Jahr. Gründe gibt es viele. Marktpreise, Konkurrenz, Welthandel, Börsenkurse, Politik, Gesellschaft, Kultur, Gesetze. Franz-Joseph Emonts von BUND Aachen Land aus seinem Referat.

v.l.n.r.: Franz-Joseph Emonts, BUND Aachen-Land; Christian Walter, Initiative 'Containern ist kein Verbrechen' Aachen; Bruno Barth, Naturfreunde e.V. Herzogenrath; Annette von Lück, Bioland-Hof Paulinenwäldchen Aachen; Diana Hafke, NGG-Region Aachen.
v.l.n.r.: Franz-Joseph Emonts, BUND Aachen-Land; Christian Walter, Initiative 'Containern ist kein Verbrechen' Aachen; Bruno Barth, Naturfreunde e.V. Herzogenrath; Annette von Lück, Bioland-Hof Paulinenwäldchen Aachen; Diana Hafke, NGG-Region Aachen.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten und Lebensmittelvernichtung. Das hört sich nach Interessenskonflikt an. Wenn aber die Konsumenten mehr Geld für ihre Lebensmittel zahlen können und weniger Lebensmittel produziert werden, dann bleibt auch dann nicht am Ende des Tages mehr Geld für die Beschäftigen übrig.

Insgesamt scheint die Lebensmittelvernichtung eine mit System zu sein. Sie ist quasi Teil der kapitalistischen Konsumgesellschaft. Und die ist ja auf jährliches Wirtschaftswachstum geeicht. Auf Kosten von Mensch, Natur und Umwelt.

Es ist auch eine Sache der Wertschätzung. Und auch Christian Walter von der Initiative ‚Containern ist kein Verbrechen hat da klare Vorstellungen. Bisher ist nämlich das so genannte Containern verboten. Containern geht so: Menschen nehmen sich aus den Müllcontainern der Supermärkte die Lebensmittel heraus – die diese weggeworfen haben – obwohl sie nicht verdorben sind. Das hat etwas mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum zu tun. Aber auch mit Konkurrenz, Firmenimage und den Märkten. Der Lebensmittelmarkt ist global. Wenige Handelskonzerne Teilen ihn auf und bestimmen das Geschehen.

Für das so genannte Containern gibt es viele Gründe. Armut, Protest aber auch ein Beispiel geben für die Wertschätzung von  Lebensmittel sind einige. „Wir möchten, dass das Containern nicht mehr bestraft wird“, sagt Christian Walter. Das will die Initiative über den Bundestag erreichen. „Der Diebstahlparagraph im Strafgesetzbuch muss dementsprechend geändert werden“, sagt er. Das Gleiche gelte für den Paragraph ‚Herrenloses Eigentum‘ im Bürgerlichen Gesetzbuch. Der Lebensmittelhandel soll auch verpflichtet werden, für genießbare Lebensmittel, die im Müll landen, „einen freien Zugang zu garantieren“.

Die industrielle Landwirtschaft produziert immer größere Mengen zu immer niedrigeren Preisen. „Die Überproduktion landet dann mit dem Segen der EU in alle Welt, um hier auch die Preise zu kontrollieren und die Märkte zu beherrschen“, sagt Franz-Joseph Emonts vom BUND Aachen Land. "Und die landwirtschaftlichen Flächen sind durch Chemie hoch belastet“, sagt er.

Auch VerbraucherInnen versenkten noch genießbare Lebensmittel in den Mülleimer. Und dabei ist es egal, ob diese günstig oder teuer, konventional oder im Bioanbau produziert werden. Der soziale Status einer Person ist nicht alleine verantwortlich für dieses Handeln.

Ganz langsam scheint es aber ein Bewusstsein für dieses Thema zu geben. Zum Beispiel seitens des Handels. „Der setzt Software ein, um die Nachfrage nach Lebensmittel besser bestimmen zu können“, sagt er. Zum Beispiel steuert ein bevorstehendes Sportereignis die Nachfrage nach bestimmen Nahrungsmitteln. Der BUND stellt vor allem die positiven Beispiele der Biolandwirtschaft und des ökologischen und sorgsamen Umgangs mit Natur und Lebensmittel in den Vordergrund.

Die strukturellen Probleme müssen gelöst werden“, sagt Bruno Barth von den Naturfreunden Nordeifel. „Es darf eben kein größer, weiter und mehr stattfinden.“ Das führe nur zur Überproduktionen. Gesetze seien zu ändern. Auch in Europa. Und das individuelle Verhalten der Menschen muss verändert werden. Über Aufklärung nicht nur in den Schulen, sondern auch in den Familien und in der Erwachsenenbildung.

Es ist also nicht nur eine soziale Frage. Für Annette von Lück vom Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen Aachen stehen auch die wetterabhängigen Ernten im Blickpunkt. Die bestimmen oftmals die Qualität und die Menge von Obst und Gemüse und damit auch die Verhaltensweisen von Abnehmern und Märkten.

Informationen sind wichtig. Was kaufe ich ein, wie viel kaufe ich ein, wo kaufe ich ein“, sagt sie. Der Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen kontrolliert zum Beispiel über ihre Gemüsekisten den Verbrauch von Lebensmittel. In ihrer Direktvermarktung.

Nach wie vor ist Information und Bildung ein Schlüssel, um die Zusammenhänge mit der Lebensmittelvernichtung zu verstehen. Betroffen sind nicht nur Wirtschaft und Politik, sondern jeder Mensch.

Wir bieten ein umfassendes Bildungsprogramm unseres hofeigenen Bildungsteams für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an. Wir nennen das ‚die Biobildung auf dem Bauernhof‘“, sagt sie. Nachhaltige Landwirtschaft auf dem Lern- und Erlebnisbauernhof.

So kann wieder eine Wertschätzung für das Lebensmittel entstehen.

 

Ausgewählte Informationen und Literatur

Naturfreunde – Bezirk NRW Nordeifel. Herzogenrath

Bioland-Hof Gut Paulinenwäldchen – Aachen

Aachen Containert - Aachen

Links abgerufen am 05.12.2017

Deutscher Gewerkschaftsbund DGB – Berlin

Gewerkschaft NGG in Videos - Vimeo-Videokanal der Gewerkschaft NGG

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG - Hamburg