Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2017 NGG-Region Aachen

Länge: 14'40"Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

 „Wir möchten mehr Lohn für unsere gute Arbeit“, sagt eine Demonstrantin auf der Kundgebung der Gewerkschaft NGG in Dortmund am 22.3.2017.

Seit Monaten laufen Tarifverhandlungen in der Systemgastronomie. In der arbeiten zirka 100.000 Menschen in zirka 5000 Stores. In Deutschland. Und auch nach der dritten Tarifrunde gibt es keine Einigung. Gefordert werden sechs Prozent mehr Lohn für alle. 

Kundgebung NGG. Dortmund 22.3.2017
Kundgebung NGG. Dortmund 22.3.2017

Seit Dezember 2016 macht die Gewerkschaft NGG mit Demonstrationen, Warnstreiks und Informationen auf die schlechten Löhne in der Systemgastronomie aufmerksam. „Wir wollen damit den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen“, sagt Diana Hafke, Gewerkschaftssekretärin der NGG-Region Aachen.

Hinter der Systemgastronomie stehen internationale Konzerne, die weltweit unterwegs sind. Die Personalstrukturen sind kompliziert.

Neben festen Ganztagsstellen gibt es überwiegend Teilzeit- und Minijobs. Der gewerkschaftliche Organisationsgrad liegt bei geschätzten acht Prozent. Da braucht es Geduld, um bessere Löhne zu vereinbaren.

NGG-Tarifkommissionsmitglieder NRW. Dortmund 22.3.2017
NGG-Tarifkommissionsmitglieder NRW. Dortmund 22.3.2017

Nun könnte ja vermutet werden: Alles Strategie der Arbeitgeberseite. „Das war immer so“, sagt Dieter Schormann vom Landesbezirk der NGG Düsseldorf. „Es ist nicht zu akzeptieren, so unnachgiebig zu sein und die Beschäftigten damit nicht wert zu schätzen“.

In den letzten 20 Jahren hat sich diese Branche verändert. Es gibt heute wesentlich mehr Beschäftigte, die sich gewerkschaftlich engagieren. Zum Beispiel in gegründeten Betriebsräten. Und das, obwohl der Widerstand der Arbeitgeber hoch ist. Zahlreiche gerichtliche Auseinandersetzungen um Betriebsräte vor allem in Dortmund legen Zeugnis ab.

Guntram Schneider. Ehemaliger NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales. Dortmund 22.3.2017
Guntram Schneider. Ehemaliger NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales. Dortmund 22.3.2017

Die Einschätzung der Lage ist einhellig. Aufgrund der Größe dieser Branche setzen die Arbeitgeber natürlich ihre wirtschaftliche Macht ein. Und die speziellen Bedingungen in der Systemgastronomie gehören dazu. „Wer Angst vor Kündigung hat – wenn er sich gewerkschaftlich organisiert – der lässt es lieber bleiben“, sagt Diana Hafke.

Auf der Bühne berichten die gewerkschaftlichen Mitglieder der Tarifkommission NRW.

„Drei Eurocent als Arbeitgeberangebot ist eine Unverschämtheit.“ Und der neue gesetzliche Mindestlohn von 8,84 Euro gilt den Arbeitgebern als Tariferhöhung.

Allgemeines Kopfschütteln bei den Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern.

„Da werden weltweit Millionen Euro Gewinne gemacht, aber von Sparmaßnahmen gesprochen“, sagt Lars Wurche von der NGG Südwestfalen aus Hagen.

Lisa Baumeister, Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen. Dortmund 22.3.2017
Lisa Baumeister, Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen. Dortmund 22.3.2017

Nebenbei bemerkt – alle Arbeitsgesetze, bessere Arbeitsbedingungen, soziale Verbesserungen und höhere Löhne sind immer erkämpft worden. Die gab es nie freiwillig. „Wir werden weitere Aktionen starten – wenn es nicht zu einer Einigung kommt“, sagt Mohamed Boudhi, Geschäftsführer der NGG Köln.

Die Systemgastronomie ist in so genannte Franchise-Einheiten aufgeteilt. Das heißt – Private Menschen betreiben diese Geschäfte. Sie sind für ihre Finanzen, Investitionen, den Betrieb und für das Personal zuständig.

Das Dach sind die entsprechenden Konzerne. Die streichen die Gewinne ein und gehen über ihren Bundesverband der Systemgastronomie in die Tarifverhandlungen.

Als Gast auf dieser Kundgebung der NGG-Regionen aus NRW ist Guntram Schneider. Ehemaliger NRW-Minister für Arbeit, Integration und Soziales bis 2015.

Seit Mai 2012 ist er NRW-Landtagsabgeordneter für die SPD. „Das drei Euro-Cent – Angebot der Arbeitgeber ist geradezu eine Schweinerei“, sagt er in seiner Rede. „Dagegen muss man sich wehren.“

Diana Hafke, Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen. Dortmund 22.3.2017
Diana Hafke, Gewerkschaftssekretärin NGG-Region Aachen. Dortmund 22.3.2017

Tarifverhandlungen seit Monaten. Aber keine Strategie. „Die nutzen halt die besonderen Beschäftigungsstrukturen in dieser Branche aus“, sagt er im Gespräch.

Und die Moral und das sozialen Gewissen für den einzelnen Menschen und für das Gemeinwohl seitens der Unternehmerschaft? Das sei etwas für Sonntagsreden. „Von Montag bis Samstag herrscht knallharte Ökonomie“, sagt er.

Noch einmal: Zirka 100000 Beschäftige in der deutschen Systemgastronomie. Zirka acht Prozent davon sind gewerkschaftlich organisiert. „Das macht es der NGG natürlich viel schwerer, ihre Forderungen durchzusetzen“, sagt Guntram Schneider.

n Möglichkeit sieht er in einem wesentlich höheren gesetzlicher Mindestlohn. Der lasse überflüssige Luft aus diesem Ballon raus. Der liegt zur Zeit bei 8,84 Euro. Und ist erst einmal um 34 Eurocent erhöht worden. Aber vor allem besteht die Lösung darin „dass die NGG mehr Mitglieder in den Betrieben gewinnen“, sagt er. „Nur starke Gewerkschaften können noch besser kämpfen“, fügt er hinzu. Und wie gewerkschaftliche Kämpfe gehen, zeige die über 150jährige Geschichte der NGG, fügt er hinzu.

Wenn nichts geht – dann gehen wir weiter auf die Straße und streiken – bis es ein Ergebnis gibt“, sagt eine Demonstrantin zum Schluss.

Klare Ansage. Die Aktionen der Gewerkschaft NGG gehen weiter. Eine weitere Tarifverhandlung ist für den 6. April 2017 festgesetzt.

 

 

Ausgewählte Informationen und Literatur


Links abgerufen am 25.03.2017

 

Gewerkschaft NGG in Videos - Vimeo-Videokanal der Gewerkschaft NGG

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG - Hamburg

Deutscher Gewerkschaftsbund DGB – Berlin