Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2018 NGG-Region Aachen

Länge: 9'01" Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

Beruf: Gewerkschaftssekretär.

In diesem Beruf geht es um Tarifpolitik, Arbeitsrecht, Politik, Arbeitskampf, soziale Gerechtigkeit, Wirtschaftstheorie, Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Solidarität, Mitbestimmung, Kommunikation, Beratung, Streik, Integration, Antidiskriminierung, Ehrenamt … Da ist viel zu lernen.

David Monjau ist seit November 2017 bei der NGG-Region Aachen Gewerkschaftssekretär zur Ausbildung. Er hat ursprünglich den Beruf des Werkzeugmechanikers gelernt und war gleichzeitig gewerkschaftlicher Jugend- und Auszubildendenvertreter.

Alle in diesem Beruf arbeitenden Menschen haben besondere Erlebnisse, die für diesen Berufswunsch entscheidend waren.

Vor allem die Arbeiten, die den Azubis aufgetragen wurden und die nicht im direkten Zusammenhang mit der Ausbildung standen, haben mich zur Mitarbeit in einer Gewerkschaft geführt“, sagt David Monjau.

Und er hat als Teilnehmer einer innerbetrieblichen Tarifkommission ein Unternehmen wieder in die Tarifbindung zurück geholt. „Das war ein großer Erfolg und hat meinen Berufswunsch Gewerkschaftssekretär bestärkt“.

David Monjau. Gewerkschaftssekretär zur Ausbildung. NGG-Region Aachen Januar 2018
David Monjau. Gewerkschaftssekretär zur Ausbildung. NGG-Region Aachen Januar 2018

Die Ausbildung zur Gewerkschaftssekretärin ist ein so genanntes Traineeship der Gewerkschaft NGG.

Für den Job Gewerkschaftssekretärs braucht es viel  Wissen, Offenheit, und Herzblut . Gewerkschaftsarbeit erfasst viele Bereiche des gesellschaftlichen und privaten Lebens der Menschen. Zum Beispiel die Vorbereitung von Streiks, Mitgliederbetreuung, Menschenkenntnis, Verhandlungsgeschick, Gesprächsstrategien, Betriebsräteberatung oder Tarifverhandlungen.

David Monjau war als Landesjugendsekretär NRW auch an vielen Schulen und Ausbildungsorganisationen unterwegs. „Da ist der Begriff ‚Gewerkschaft‘ nicht so bekannt,“ sagt er. Viele Jugendliche kämen auch aus Familien, in denen scheinbar über die Bedeutung von Gewerkschaften nicht viel gesprochen würde. „In meinem Elternhaus war die Gewerkschaft immer ein Thema“, sagt David Monjau. Wer einen Beruf lerne und ausübe, müsse auch in einer Gewerkschaft beheimatet sein.

Vor zirka 150 Jahren wurden Menschen, die sich für die beruflich-sozialen Interessen und für bessere Bedingungen am Arbeitsplatz eingesetzt haben, mit Gefängnis zum Beispiel bedroht. Oder Schlimmeres. Und im zwanzigsten Jahrhundert gab es eine Zeit, in der Gewerkschaften verboten waren und ihre Mitglieder verfolgt wurden. Mindestens. Und doch haben sie ich für eine sozialere Arbeitswelt eingesetzt. Warum ist das heute anders?

Im allgemeinen Lebensumfeld geht es den Menschen im Vergleich zu früher relativ gut – so meine vorsichtige Einschätzung“, sagt David Monjau. Natürlich gäbe es große Unterschiede zwischen einem schlecht bezahlten Handwerksjob und einem gut bezahlten Industriearbeiter, aber durch die „scheinbar kleineren Probleme außerhalb der Arbeit sinke wohl die Bereitschaft, sich mit den Bedingungen des eigenen Arbeitsplatzes auseinander zu setzen“.

Gesellschaften und Arbeitswelten verändern sich ständig – und so gibt es immer Gründe, Arbeitsbedingungen zu verbessern. Die Arbeit geht den Gewerkschaften als nicht aus.

Das Spektrum der Gewerkschaftsarbeit ist äußerst groß“, sagt er. Da geht es nicht nur darum, immer ein offenes Ohr für Mitglieder und Betriebsräte zu haben, sondern auch darum, Hilfestellung bei der Durchsetzung von Forderungen zu leisten. „Zum Beispiel die Geltendmachung einer Forderung oder die Verhandlungen mit einem Unternehmen in einer innerbetriebliche Tarifkommission gemeinsam mit dem Betriebsrat“.

In diesem Sinne. Bald ist es soweit. David Monjau als Gewerkschaftssekretär bei der Gewerkschaft NGG.

 

 

Die Voraussetzungen für den Berufswunsch Gewerkschaftssekretär können vielfältig sein. Sie können über ein Studium mit anschließender zweijährigen Ausbildung erfüllt sein. Aber auch ArbeitnehmerInnen mit Berufserfahrung, vielleicht sogar Erfahrung in einem Betriebsrat, erfüllen die Voraussetzungen. In der Regel besuchen diese Menschen die „Europäische Akademie der Arbeit“, die der Universität in Frankfurt am Main angegliedert ist. Stipendien und Förderungsprogramme bietet auch die Hans Böckler Stifung an.

Sekretär; lateinisch „secretus“, „geheim“, später französisch „secrétaire“.

Diese Berufsbezeichnung galt in ihrer Entstehung einem  „Geheimschreiber“.

Später wurde aus ihm ein Schreiber, ein Schriftführer oder auch Schriftwart und Schriftführer.

Das dazugehörige Sekretariat war logischerweise das Amt das Sekretärs, aber auch einer Schreibstube, der Schreiberei, der Kanzlei. Zum Beispiel: Gerichtsschreiber oder Stadtschreiber.

Heute übt der Sekretär vielfältige Aufgaben in der Verwaltung aus. Er hat aber immer den Schwerpunkt Kommunikation. Sie erledigen Assistenzaufgaben, Korrespondenzen und kaufmännische Arbeiten.

Der Sekretär oder die Sekretärin  ist auch eine Funktionsträger/in. Zum Beispiel eine Person, die in einer Behörde weisungsberechtigte Kompetenzen hat. Dies aber nur, wenn er den Status als „erster“ Sekretär/in hat. Als beamtete oder angestellte Personen gibt es auch die Direktionssekretäre. Sie sind einer Direktion unterstellt, haben aber in der Regel Weisungsberechtigung.

Parteisekretäre oder Generalsekretäre führen Führungsfunktionen in ihrer Organisation aus. Dazu gehören auch die Gewerkschaftssekretäre.

Die Abgrenzung zur Bezeichnung „Funktionär“ ist schwierig. Es gibt durchaus sich überschneidende Aufgaben und Verantwortungen. Wobei die Funktion Sekretär eher im hauptberuflichen Umfeld angesiedelt ist.

Funktionär; lateinisch fungi, „verrichten“, „besorgen“ oder ein Amt „verwalten“. Es  ist  meistens ein Mensch, der innerhalb einer Organisation eine Führungsposition besetzt.

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstand in Europa dieses Funktionärswesen. Und zwar deshalb, weil sich die arbeitenden Menschen in Gewerkschaften und Arbeiterparteien organisierten.

Diese Tätigkeit kann hauptberuflich oder ehrenamtlich sein. Es kann daher auch gewählt oder bestellt werden wie zum Beispiel in den politischen Parteien. Aber auch andere Verbände aus Sport und Gewerkschaft wählen aus ihrer Mitte heraus Menschen in diese Aufgabe.

Die Aufgaben sind wiederum schnell aufgezählt: Repräsentation, Versammlungsleitung, Leitung von Arbeitsgruppen und Gremien, Organisation, Ausführung von Verbands- und Institutsbeschlüssen aber auch Mediation und Vermittlung zwischen Leitung und Mitglied.

Spitzenfunktionäre/innen sind meistens hauptberuflich unterwegs. Sie sind auch Entscheidungsträger. Hinsichtlich der Legitimation wird unterschieden zwischen bestellten und gewählten Funktionären.  In einer hauptberuflichen Funktion (Beauftragter), der im öffentlichen Leben, in Organisationen und Institutionen Führungsaufgaben wahrnimmt;

 

 

Ausgewählte Informationen und Quellen

Bildungszentrum Oberjosbach - BZO der NGG, Niedernhausen

und

BZO – Wissen - Wissensportal, BZO der NGG, Niedernhausen

Europäische Akademie der Arbeit - angesiedelt bei der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt/Main, Frankfurt

Universität Frankfurt am Main

Hans Böckler Stiftung - Düsseldorf Frankfurt/Main, Frankfurt

Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 310. hier online auf zeno.org, Digitale Bibliothek, Berlin

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Brockhaus' Kleines Konversations-Lexikon, fünfte Auflage, Band 2. Leipzig 1911., S. 685. hier online auf zeno.org, Digitale Bibliothek, Berlin

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Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, 2007

Links abgerufen 30.01.2018

Deutscher Gewerkschaftsbund – Berlin

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG - Hamburg

Gewerkschaft NGG in Videos - Vimeo-Videokanal der Gewerkschaft NGG