Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2018 NGG-Region Aachen

Länge: 16'52" Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

Vor 15 Jahren habe ich Peter Mogga kennen gelernt. Da wurde ich in den Betriebsrat von Lindt & Sprüngli gewählt“ sagt Leo Müller vom Betriebsrat Lindt & Sprüngli aus Aachen. Er ist Mitglied im Regionsvorstand der NGG-Region Aachen. „Der Peter Mogga lebt die NGG“, fügt er hinzu.

Zweiter Teil des Hörfunkbeitrags über Peter Mogga. Am 1. April 2018 geht er in den Ruhestand. Als Geschäftsführer hat er 27 Jahre lang die NGG-Region Aachen geleitet. Ein Gespräch mit ihm erinnert an die letzten Jahrzehnte. In diesem Teil erinnert er an herausragende Ereignisse während seiner Zeit bei der NGG-Region Aachen. Weggefährten erinnern sich ebenfalls. Sie stehen stellvertretend für die vielen Menschen, die ihm begegnet sind und mit denen er Zusammengearbeitet hat. Zugegeben. Es sind nur einige Stimmen. Alles andere würde den Rahmen dieser Hörfunkbeiträge sprengen und bitte: Niemand möge sich übergangen fühlen.

Peter Mogga. Gesprächskreis Geschichten aus der Arbeitswelt. Aachen September 2017
Peter Mogga. Gesprächskreis Geschichten aus der Arbeitswelt. Aachen September 2017

Die Süßwarenindustrie ist in Aachen eine bedeutende Arbeitgeberin. Das zeigte sich auch im Jahre 1996. Da gab den Streik zur Erhaltung der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall.

Die damalige Bundesregierung unter Helmut Kohl wollte sie auf 80 % kürzen. Das stand so im Regierungsprogramm.. „Obwohl in verschiedenen Tarifverträgen die Lohnfortzahlung auf 100 % festgeschrieben ist“, sagt Peter Mogga. Die Arbeitgeber haben dann einseitig die Kürzung auf 80 % vorgenommen. „Darauf musste die NGG natürlich reagieren. Das war der Rechtsbruch gegen einen gültigen Tarifvertrag“, sagt er. Es kam zum Arbeitskampf auch in der Region Aachen.

Begegnet bin ich Peter Mogga auf unserer Betriebsversammlung bei der Firma Zentis aus Aachen. Das muss im Jahre 1994 gewesen sein“, erinnert sich Hans Theis vom Betriebsrat Zentis aus Aachen und bis Februar 2018 viele Jahre Vorsitzender des Regionsvorstandes der NGG-Region Aachen. Heute ist er Revisor in diesem Regionsvorstand. „Wir waren immer sehr strikt und routiniert unterwegs“, fügt er hinzu.

v.l.n.r.: Bodo Wagner, Leo Müller, Heinz Peltzer ,Ralf Woelk, Hans Theis. Weggefährten. Aachen Februar 2018
v.l.n.r.: Bodo Wagner, Leo Müller, Heinz Peltzer, Ralf Woelk, Hans Theis. Weggefährten. Aachen Februar 2018

Streiks funktionieren nur dann, wenn sie gut vorbereitet, laufend organisiert und betreut werden. Eine große Aufgabe für die NGG-Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter in Aachen. So wurde also in Absprache mit den NRW-Landesbezirk der NGG gegenseitige Hilfe unter den hauptamtlichen Gewerkschaftssekretären vereinbart. In Aachen wurde ein Schichtsystem aufgebaut. „Und es musste ein Verantwortlicher vor Ort dafür sorgen, dass der Streik nicht zusammenbricht“, sagt Peter Mogga.

Streikerfahrungen aus der gewerkschaftlichen Geschichte helfen. Aber vor Ort gibt es immer besondere Gegebenheiten. „Polizei muss anwesend sein, denn neben dem Werkgelände wurden auch die Straßen mitbenutzt“, sagt er. Die bestreikte Firma Lambertz aus Aachen stellte so genannte schwarze Sheriffs ein. „Das sind Sicherheitsdienste, die die Streiks stören und die Streikenden einschüchtern sollten“, sagt Peter Mogga.

v.l.n.r.: Berti Schankweiler, Hajo Cremer. Weggefährten. Aachen Januar 2018
v.l.n.r.: Berti Schankweiler, Hajo Cremer. Weggefährten. Aachen Januar 2018

Der Streik in der Süßwarenindustrie in Aachen dauerte bis zu zwei Woche bei Kinkartz in Würselen und bei Lambertz in Aachen. Dann garantierten auch sie die tariflich festgesetzte Lohnfortzahlung. Lindt & Sprüngli schlossen einen Haustarif mit einer 100 %igen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ab, weil sie einen langen Streik fürchteten.

Viele ehemalige Streikende sind heute im Seniorenkreis der NGG-Region Aachen aktiv. Ihre Erinnerungen kreisen oft um das Jahr 1996, als der Streik zum Erfolg führte, weil es einen starken Zusammenhalt und große Einigkeit gab.

Den Peter Mogga habe ich im Jahre 2004 kennen gelernt. Er unterstütze mich bei einem Arbeitsgerichtsprozess gegen meinen alten Arbeitgeber Nestle“, sagt Hajo Cremer, ehemaliger Geschäftsführer des Aachener NGG-Seniorenarbeitskreises. Dieser Arbeitskreis ist seit zirka 30 Jahren aktiv. Organisiert Veranstaltungen, soziale und politische Treffen und Reisen für die Seniorinnen und Senioren unter den Gewerkschaftsmitgliedern.

Im Jahre 1992 hatten wir bei Kinkartz aus Würselen eine Vertrauensleutesitzung. Da habe ich Peter Mogga kennen gelernt“, erinnert sich Berti Schwankweiler, ehemalige Betriebsratsvorsitzende bei Kinkartz. Sie führte im Jahre 1996 den zweiwöchigen Streik bei diesem Süßwarenunternehmen zur 100 %igen Lohnfortzahlung im Krankheitsfall an. Ihr Arbeitsstil und ihr gewerkschaftlicher Einsatz wird auch heute noch als das so genannte ‚System Schankweiler‘ erinnert. Heute ist sie im Vorstand des Aachener NGG-Seniorenarbeitskreises und Mitglied im Regionsvorstand der NGG-Region Aachen.

Es gibt ja auch ein Leben nach den Arbeitsleben“, sagt Peter Mogga. Das seien die Seniorinnen und Senioren. Auf die könne eine Gewerkschaft nicht verzichten. Mit ihnen und dem Seniorenarbeitskreis werden Aktivitäten angeboten. „Wir möchten ihnen ganz klar vermitteln: Ihr seid uns wichtig. Ihr gehört zu uns. Wir möchten, dass ihr bei uns bleibt“, sagt er. „Mit Peter Mogga verbinde ich Schokolade, Printen und allerlei Süßigkeiten. Ich finde es erstaunlich, wie er seine Figur so schlank gehalten hat. Gratulation. Darauf bin ich ein wenig neidig“, sagt  Ralf Woelk, Geschäftsführer des DGB Region NRW Süd-West Aachen. In der Schuldnerberatung Aachen e.V. engagieren sich beide von Anfang an. Denn der DGB Region NRW Südwest Aachen und die NGG-Region Aachen sind Mitgründer dieses Vereins. „Den organisieren wir gemeinsam im Vorstand seit Jahren“, fügt er hinzu.

2.v.r.: Peter Mogga (mit gelber Weste). Warnstreik Zuckerfabrik Pfeifer & Langen. Jülich 2014
2.v.r.: Peter Mogga (mit gelber Weste). Warnstreik Zuckerfabrik Pfeifer & Langen. Jülich 2014

Nach wie vor gibt es einen Interessenskonflikt zwischen Kapital und Arbeit. „Es wird keine Vergesellschaftung von Reichtum geben“, sagt Peter Mogga. Die Gegensätze zwischen Armut und Reichtum sind eher größer geworden. „Die Gewerkschaften sind unverzichtbar für die Zukunft“, fügt er hinzu. Daher müssten diese Erkenntnisse auf eine ehrliche Art und Weise vermittelt und vorgelebt werden. „Aber auch die Gewerkschaften müssen schneller reagieren, Dinge moderner machen, attraktiver werden. Wir dürfen dabei nie vergessen worum es geht: der Interessengegensatz zwischen Besitzenden und nicht Besitzenden“, sagt er.

Im Rahmen einer Betriebsversammlung bei uns im Werk, der Zuckerfabrik Pfeifer & Langen in Jülich, habe ich Peter Mogga kennen gelernt“, erinnert sich Heinz Peltzer,

Vorsitzender im Betriebsrat Pfeifer & Langen aus Jülich und Mitglied des Regionsvorstandes der NGG-Region Aachen. „Auf seine Initiative hin wurde auch eine Vertrauensleutegruppe gebildet“, fügt er hinzu.

Es gilt für hauptamtliche Gewerkschaftssekretärinnen und Sekretäre und für gewerkschaftlich ehrenamtlich engagierte Menschen. „Ich kann nicht Wasser predigen und Wein trinken“, sagt Peter Mogga. Man könne Menschen nur dann überzeugen und begeistern für das, was dringend verändert werden müsse, wenn „ich auch Vorbildfunktion lebe“, fügt er hinzu.

Damals, vor zwanzig Jahren, war ich als Betriebsrat gerade frisch gewählt“, erinnert sich Bodo Wagner, Vorsitzender im Betriebsrat von Kronenbrot aus Würselen und Schriftführer im Regionsvorstand der NGG-Region Aachen. Er wurde eingeladen, an einer Vorstandssitzung der NGG-Region Aachen teilzunehmen. „Meine erste Begegnung mit Peter Mogga. Er ist immer klar in seinen Aussagen und verlässlich“, fügt er hinzu.

Junge Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter führen die Arbeit ihrer Vorgängerinnen und Vorgänger weiter. So auch in Aachen. „Es ist auch wichtig, die Geschichte der Arbeiterbewegung, der Industrialisierung, der modernen Arbeitswelt zu kennen. Das ist übrigens alles sehr gut aufgearbeitet“, sagt Peter Mogga. „Ich rate ganz dringend nicht in Egoismus zu verfallen und zu glauben, ich alleine kann alles für mich regeln und dann ist alles gut für mich“, sagt er.

Am 1. April 2018 geht Peter Mogga in den Ruhestand. Als Geschäftsführer hat er 27 Jahre lang die NGG-Region Aachen geleitet. Sein abschließendes Wort setzt auch den Punkt für dieses Gespräch.

 

Ausgewählte Literatur und Quellen

 

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten NGG - Hamburg

Deutscher Gewerkschaftsbund DGB – Berlin

150 Jahre NGG – Frische Rezepte für gute Arbeit.

Gewerkschaft NGG in Videos - Vimeo-Videokanal der Gewerkschaft NGG