Radio-Kurzfeature von Axel Gauster

Sprecher: Axel Gauster

Online-Text, Fotos: Axel Gauster

© 2018 NGG-Region Aachen

Länge: 13'40" Format: mp3pro 96kbps 44,1 kHz 16bit DAB JointStereo

Pflege, Vorsorge und Erbrecht. Unter dieser Überschrift steht die sozialpolitische Veranstaltung der Aachener NGG-Senioren an diesem Apriltag 2018. Gemeinsam organisiert mit der Christoffel Blindenmission aus Bensheim. Zwei Vorträge stehen auf dem Programm. Stephan Löhmann von der Pflegeberatung Städteregion Aachen spricht zum Thema Pflege. Klaus Becker, Fachanwalt für Erbrecht gibt Informationen zum Thema Vorsorgedokumente und Erbrecht.

Zirka 22600 pflegebedürftige Menschen werden in der Städteregion Aachen gezählt. „Das ist weder viel noch wenig“, sagt Stephan Löhmann. „Man geht statistisch von ungefähr 4 Prozent einer definierten Einwohnerschaft aus.

Sozialpolitische Veranstaltung Aachener NGG-Senioren April 2018
Sozialpolitische Veranstaltung Aachener NGG-Senioren April 2018

Das Thema Pflege ist umfangreich. Pflegestufen, Atteste, Pflegetagebuch, Pflegedienst und pflegende Angehörige. Es fängt bei der Begutachtung für die Pflegestufen an. Da werden zum Beispiel einzelne Punkte zum Bereich Mobilität erfasst. Treppensteigen und Fortbewegung in der eigenen Wohnung gehören dazu. Und es geht auch um die Pflegeorganisation an sich. In den eigenen vier Wänden. Muss zum Beispiel die Wohnung umgebaut oder barrierefrei gemacht werden. „Der Vermieter muss Veränderungen zustimmen“, sagt Stephan Löhmann in seinem Vortrag. „Das sei aber – so unsere Erfahrungen – aber in der Regel kein Problem.“

Seit 2017 gibt es Veränderungen in der Gesetzgebung. Es gelten die Pflegestärkungsgesetze. Und darin das so genannte Begutachtungsverfahren der Medizinischen Dienste der Krankenkassen. Es werden jetzt zum Beispiel auch die seelischen Beeinträchtigungen ermittelt. „Menschen mit Demenz und psychischen Erkrankungen werden jetzt stärker berücksichtigt“, sagt Stephan Löhmann. „Und die Leistungen vor allem in der ambulanten Pflege sind verbessert worden“.

Die Menschen in Deutschland leben im Durchschnitt immer länger. Frauen haben heute eine Lebenserwartung von 83 Jahre, Männer von 78 Jahre. Sagt das Statistische Bundesamt in einer aktuellen Statistik. Klar – das dadurch auch mehr Menschen auf Unterstützung im Alter angewiesen sind. Der Beratungsbedarf in der Städteregion Aachen hat zugenommen. Die Beratungszahlen und die Pflegezahlen werden zunehmen. Das sagen die Prognosen eindeutig. „Wir brauchen gutes und mehr Fachpersonal in der Pflege und müssen auch die Angehörigen noch stärker unterstützen“, sagt Stephan Löhmann.

Damit alle familiären, persönlichen und gesetzlichen Fragen für einen pflegebedürftigen Menschen geklärt sind, gibt es Dokumente für Vorsorge und Erbschaft. Darüber berichtet Klaus Becker auch Aachen, Fachanwalt für Erbrecht. Die Schwerpunkte sind vor allem die Vorsorgevollmacht und die Patientenverfügung. Handschriftlich oder via Notar, Formen, wer bekommt eine Vollmacht und wie ist ihr Umfang, welche medizinischen Versorgungen gibt es und wann sind sie zu Ende.

Die Vorsorgevollmacht ist ein mächtiges und wichtiges Dokument. „Die Vollmacht ist in der Lage, jemanden in allen Angelegenheiten zu vertreten und alles für den Vollmachtgeber zu tun“, sagt Klaus Becker. Darum bedarf es ein großes Vertrauen in den Menschen, der diese Vollmachten erhält.

Auch die Patientenverfügung ist von großer Bedeutung. Und eine Beschäftigung mit ihr rührt an die Gefühle und Ängste von Menschen. Wer beschäftigt sich schon gerne mit Krankheit, Schmerz und Sterben. Richtig aufgeschrieben kann eine Patientenverfügung Hilfe und Sicherheit bieten, vor allem auch die Würde des kranken Menschen schützen.

In einer Patientenverfügung geht es um die medizinische Versorgung und um seinen Abbruch. Also zum Beispiel soll ein Notarzt gerufen werden, soll künstlich beatmet werden. Die Fragen sind sehr speziell und eine Beratung kann helfen, sie gut zu beantworten. „Entscheidend ist die Patientenverfügung. Daran haben sich Ärzte und Pflegepersonal zu halten“, sagt Klaus Becker. Und die ist auch durchsetzbar. „Auch durch einen Bevollmächtigen, dessen Aufgabe es ist, die Patientenverfügung durchzusetzen“.

Beide Dokumente können zu Hause aufbewahrt werden. Das ist kein Problem. Aber es geht auch noch sicherer. Von der Bundesnotarkammer gibt es das so genannte Vorsorgeregister. „Dort können alle entsprechenden Dokumente, egal ob privat-schriftlich oder notariell beglaubigt, angegeben und registriert werden“, sagt Klaus Becker. Das kostet zirka 18 Euro und kann auch online geschehen. Außerdem wird der Aufbewahrungsort der Dokumente festgehalten. So kann alles gefunden werden. Über eine kleine Karte in der Brieftasche wird dann darauf hingewiesen.

Die Christoffel Blindenmission ist Mitinitiator dieser Informationsveranstaltung. „Wir sind seit Jahren mit der NGG-Region Aachen in einem guten, freundschaftlichen Kontakt“, sagt Oskar Krein. Es ist eine der größten Entwicklungsorganisationen der Welt für Menschen mit Behinderung. Heute ist die Inklusion ein weiterer Schwerpunkt. Die heutige Seniorengeneration ist für die Fragen von Pflege, Vorsorge und Patientenverfügung aufgeschlossener. „Wir geben gerne entsprechende Informationen weiter“, sagt Oskar Krein. „Für die individuelle Gestaltung von Vorsorgedokumenten weisen wir hin auf unsere ehrenamtlichen Fachanwälte für Erbrecht“.

Drei Stunden dauert die Veranstaltung. Fragen, Antworten und Dialoge im Wechsel. Auch nach Ende des offiziellen Infonachmittags. Gedruckte Informationen werden reichlich angeboten und angenommen.

 

Ausgewählte Informationen und Quellen

 

Pflegeberatung Aachen – Pflegeportal der Städteregion Aachen, 2018

Pflegestärkungsgesetze – Bundesministerium für Gesundheit, Berlin 2018

Christoffel Blindenmission – cbm, Bensheim 2018

Vorsorgeregister – Bundesnotarkammer, Berlin 2018


Links abgerufen am 25.4.2018


Deutscher Gewerkschaftsbund – Berlin

Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten – Hamburg

150 Jahre NGG – Frische Rezepte für gute Arbeit.

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