Tarifverträge

Wozu brauchen wir überhaupt Tarifverträge?

Ohne Tarifverträge müssten die Beschäftigten oder die Betriebsräte mit dem Arbeitgeber Löhne und Arbeitsbedingungen aushandeln. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Abhängigkeit wären sie leichter erpressbar. Tarifverträge sichern Entgelte, Arbeitsbedingungen und den sozialen Frieden. Davon profitieren auch die Arbeitgeber. In kaum einer anderen Industrienation wird so wenig gestreikt wie in Deutschland.
Warum muss unbedingt eine Gewerkschaft mit den Arbeitgebern verhandeln? Mein Betriebsrat kann das doch auch. Der kennt den Betrieb viel besser als die Gewerkschaft.

Der kennt den Betrieb vielleicht sogar besser, ist aber gegenüber dem Arbeitgeber erpressbar. Betriebsräte dürfen nicht zum Streik aufrufen und können schon deshalb nicht auf gleicher Augenhöhe mit dem Arbeitgeber verhandeln. Betriebsräte und Gewerkschaften ergänzen sich gegenseitig. Das hat sich mehr als fünfzig Jahre lang bewährt.


Sind die Tarifverträge nicht viel zu unflexibel?

Im Gegenteil: Die Gewerkschaft NGG hat gemeinsam mit den Arbeitgebern innovative, flexible und betriebsnahe Tarifverträge vereinbart. Das Tarifsystem der NGG umfasst mehr als 2.400 Tarifverträge und Zusatzabkommen, davon rund 1.500 Firmentarifverträge. Im Ernährungs- und Gastgewerbe gibt es eine weitgehende Flexibilisierung der Arbeitszeiten, insbesondere durch Arbeitszeitkonten. Außerdem regeln Tarifverträge Qualifizierung, Altersteilzeit und betriebliche Altersvorsorge.
Was soll ich mit einem Tarifvertrag, wenn der Chef mir kündigt, weil die Löhne zu hoch sind? Lieber weniger verdienen, aber dafür den Job behalten.

Aber wer sagt Dir, dass der Chef tatsächlich die Löhne kürzen muss und nicht nur Eure Angst vor Arbeitslosigkeit ausnutzt? Ein Einkommensverzicht ist keine Garantie für einen sicheren Arbeitsplatz. Ohne tarifliche Regelungen könnten die Arbeitgeber ihren Beschäftigten einseitig Bedingungen diktieren. Kurz- oder mittelfristig würde das zu einer Wettbewerbsverzerrung zwischen den Betrieben führen. Die Folge wäre eine flächendeckende Abwärtsspirale bei Löhnen und Arbeitsbedingungen.


Welche Arten von Tarifverträgen gibt es?

In Lohn-, Gehalts-, bzw. Entgelttarifverträgen werden Löhne, Gehälter und Ausbildungsvergütungen vereinbart, wobei eine durchschnittliche Laufzeit von einem Jahr festgelegt wird. Mantel- bzw. Rahmentarifverträge regeln die Dauer der Arbeitszeit, den Urlaub, Arbeitsbedingungen sowie Fragen der Aus- und Weiterbildung. Die Laufzeit beträgt hier drei bis fünf Jahre. In sonstigen Tarifverträgen werden zum Beispiel Fragen der Schlichtung, der betrieblichen Altersversorgung, der Altersteilzeit, Arbeitskampfregeln, Kündigungsschutz, Verdienstsicherung, Kurzarbeit und vermögenswirksame Leistungen geregelt. Auch diese Tarifverträge laufen zwischen drei und fünf Jahren.


Was steht in einem Tarifvertrag?

Der Tarifvertrag lässt sich in zwei Bereiche unterteilen. Die inhaltlichen Fragen zu Entgelten, Arbeitszeiten, Urlaub usw. werden im so genannten normativen Teil festgelegt. Der normative Teil ist damit für die Beschäftigten der wichtigere Teil. Der so genannte schuldrechtliche Teil beinhaltet alles, was zwischen den Tarifvertragsparteien vereinbart werden muss, zum Beispiel die Laufzeit oder die Kündigung des Tarifvertrages.


Warum handeln überhaupt die Gewerkschaften die Löhne und Arbeitsbedingungen aus?

Aufgrund der Erfahrung in der Zeit von 1933 bis 1945, als es keine Tarifautonomie gab (Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften waren durch die Nazis verboten), bestand der politische Wille, der Koalitionsfreiheit (Freiheit, sich in Arbeitgeberorganisationen und Gewerkschaften zu organisieren) Verfassungsrang einzuräumen. Dies hat in Art. 9 Abs. 3 Grundgesetz seinen Ausdruck gefunden. In Verbindung mit dem Tarifvertragsgesetz von 1949 hat der Gesetzgeber den Tarifvertragsparteien somit die Tarifautonomie übertragen. Tarifautonomie bedeutet, dass Entgelte und Arbeitsbedingungen autonom, d.h. ohne Einmischung des Staates, zwischen Arbeitgebern, Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften vereinbart werden.


Können Arbeitgeber und Beschäftigte von einem Tarifvertrag einvernehmlich abweichen, zum Beispiel zum Arbeitsplatzerhalt?

Von einem Tarifvertrag kann nur aus zwei Gründen abgewichen werden. Erstens: Wenn die Regelungen auf betrieblicher Ebene für die Beschäftigten günstiger sind als im Tarifvertrag (Günstigkeitsprinzip). Also im Falle höherer Löhne, besserer Arbeitsbedingungen, kürzerer Arbeitszeiten. Zweitens: Wenn die Tarifvertragsparteien (Gewerkschaften, Arbeitgeberverband oder Arbeitgeber) es zulassen. Beispiele hierfür sind die so genannten Öffnungsklauseln oder Härtefallregeln zur Abwendung von Insolvenzen und zur Beschäftigungssicherung. Die Union will nun beim Günstigkeitsprinzip auch die Beschäftigungssicherung einbeziehen.

Das heißt, die Arbeitgeber sollen im Einvernehmen mit den Belegschaften niedrigere Löhne für die Arbeitsplatzsicherung vereinbaren können, ohne dass die Tarifvertragsparteien, die den Tarifvertrag geschlossen haben, bei diesem Verfahren beteiligt werden. Dadurch würden Betriebsräte und Belegschaften erpressbar. Weil sie schwächere Verhandlungspartner sind als die Gewerkschaften, könnten die Arbeitgeber für sich bessere Konditionen herausschlagen.

Grundsätzliches

Es ist nur eine kleine Auswahl unserer Tarifverträge, die wir auszugsweise ins Internet gestellt haben.


zum Beispiel Bäckerhandwerk, Hotel und Gaststätten, Süßwarenindustrie, Zuckerindustrie.


 Zu beachten ist,dass sich die Tarifverträge auf das Bundesland NRW beziehen. Die kompletten Tarifverträge erhalten die Mitglieder der Gewerkschaft NGG automatisch zugeschickt oder können sie über die Betriebsräte erhalten. Sollte ein Exemplar verloren gegangen sein, so können neue Tarifverträge bei der zuständigen Verwaltungsstelle angefordert werden.


Tarifverträge regeln weit mehr, als dies die Gesetze vorgeben. So gibt es kein Gesetz in der Bundesrepublik, welches Lohnerhöhung regelt. Der gesetzliche Urlaub beträgt auch nur 4 Wochen.


Wir verhandeln rund 2800 Mantel- und Einkommenstarifverträge, die im Organisationsbereich der NGG gelten.
Nur gewerkschaftlich organisierte Arbeitnehmer haben rechtlich gesicherte und einklagbare Ansprüche auf Leistungen aus einem Tarifvertrag.


Wenn Sie in der Stadt Aachen, den Kreisen Aachen, Düren, Euskirchen oder Heinsberg wohnen oder arbeiten und mehr zu den Tarifverträgen auch anderer Branchen der Ernährungswirtschaft wissen wollen, wenden Sie sich an die


NGG-Region AachenAachen
Dennewartstr. 17
52068 Aachen
Tel: 0241-946740


WSI Tarifarchiv Der Hans-Böckler-Stiftung, Köln

Für wen gelten Tarifverträge?

Nur Mitglieder der NGG haben einen Rechtsanspruch auf die von der NGG ausgehandelten Tarifverträge. Sie können ihre Ansprüche notfalls einklagen.


Grundsätzlich gelten Tarifverträge nur für Arbeitgeber, die in einem Arbeitgeberverband sind, und Arbeitnehmer, die einer Gewerkschaft angehören. Es sei denn, es existiert ein Firmentarifvertrag (wie bei Eurest) oder ein Tarifvertrag für einen Betrieb, der die Flächentarifverträge anerkennt (Anerkennungs-Tarifvertrag).


Die NGG schließt ihre Tarifverträge jeweils für spezielle Geltungsbereiche ab (persönliche, fachliche, räumliche).
Wenn ein Unternehmen auch denjenigen Beschäftigten, die keiner Gewerkschaft angehören, die tariflichen Leistungen gewährt, geschieht das freiwillig. Die Unternehmen vermeiden damit, dass Gewerkschaftsmitglieder besser gestellt werden. Wenn das Unternehmen jedoch bisher gewährte Leistungen widerruft, können Gewerkschaftsmitglieder auf den Tarifvertrag pochen und gegebenenfalls klagen; Nicht-Mitglieder haben diese Möglichkeit nicht.


Der Tarifausschuss beim Bundesarbeitsminister kann Tarifverträge aber auch für allgemeinverbindlich erklären. Dann gelten sie für alle Arbeitnehmer und Arbeitgeber der Branche.

Anspruch haben nur Mitglieder